Im Interview mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Hessen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Hessen vertritt die Interessen der kleinen und mittelständischen Bäuerinnen und Bauern in Hessen, unabhängig davon, ob sie ökologisch oder konventionell wirtschaften. Sie ist der Landesverband des bundesweiten Vereins AbL e.V. Die AbL hat das Ziel, die Landwirtschaft sowohl gerechter als auch umweltverträglicher zu gestalten, um das Verschwinden kleiner Betriebe zu stoppen, die Umwelt zu bewahren, das Klima zu schonen und die ländlichen Gebiete lebendig zu halten, u.a. durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die AbL kämpft gegen die Abhängigkeit der Landwirtschaft von Agrarkonzernen in den Bereichen Saatgut, Düngemittel, Pestizide und für politische Rahmenbedingungen zum Schutz der bäuerlichen Betriebe. Jeden Monat erscheint die „Unabhängige Bauernstimme“ als Zeitung von BäuerInnen für BäuerInnen. In einem Interview möchten wir Ihnen diese Arbeit näher bringen.

Die AbL ist auch eine der Mitorganisatorinnen der jährlichen Demo „Wir haben es satt“.

 

Bürger AG: Warum gehört Ihrer Ansicht nach der bäuerlichen Landwirtschaft die Zukunft?

 

AbL: Jeder Mensch muss essen und möchte in einer intakten Umwelt leben. Die Landwirtschaft wirkt in vielen Lebensbereichen, von der Ernährung über Landschaftsgestaltung bis hin zum Erhalt des ländlichen Raumes. Im Gegensatz zur industriellen Landwirtschaft leisten kleinstrukturierte, vielfältige bäuerliche Betriebe einen großen gesellschaftlichen Beitrag. Die Probleme für Umwelt und Gesundheit, die durch eine intensive ölbasierte Landwirtschaft entstehen, kann sich die Gesellschaft auf Dauer nicht leisten.

 

Bürger AG: Von Kritikern der ökologischen Landwirtschaft wird beanstandet, dass mit dieser Art der Bewirtschaftung im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft ein höherer Ressourcen-, insbesondere Flächenverbrauch, einhergeht. Was ist dem entgegenzusetzen?

 

AbL: Die Landwirtschaft muss sich an den regionalen Gegebenheiten orientieren. Die aktuelle Intensität konventioneller Landwirtschaft in Deutschland beruht zumeist auf fossilen Energieträgern und importierten Dünge- und Futtermitteln aus Übersee. Damit wird der Landwirtschaft in anderen Teilen der Welt die Wirtschaftsgrundlage entzogen. Dabei ist die ökologische Landwirtschaft im globalen Süden oft ertragreicher.

 

Bürger AG: Der Anteil anBio-Landwirten stagniert zurzeit. Gründe hierfür sind beispielsweise hohe Kosten für Bio-Futter, geringer Verdienst, Prämien-Kürzungen oder der Bodenpreisdruck. Wie kann dieser Trend aus der Sicht der AbL aufgehalten werden?

 

AbL: Die Biopreise müssen kostendeckend sein. Der konventionelle Preis enthält nicht die Kosten negativer externer Effekte (wie z.B. Trinkwasseraufbereitung). Durch eine Internalisierung dieser Kosten würde eine Preisanpassung zugunsten des Ökolandbaus führen. Die Agrarpolitik muss die bäuerlich und ökologisch wirtschaftenden Betriebe fördern und nicht flächenstarke durchrationalisierte Betriebe. Die aktuelle Ausgestaltung der Direktzahlungen führt zu Wettbewerbsverzerrungen. Dazu kommt, dass der Ökolandbau sowohl von vielen konventionellen Landwirten als auch von Beratern und Ausbildern immer noch als Nische wahrgenommen wird.

 

Bürger AG: Die EU-Kommission stellte im März 2014 ihre Pläne für eine neue Fassung der EU-Öko-Verordnung vor. Derzeit finden Anhörungen im Agrarausschuss des EU-Parlamentes statt. Eine Richtungsentscheidung wird für diesen Sommer erwartet. Was sollte diese nach Ansicht der AbL enthalten, um die derzeitige Lage für Bio-Landwirte zu verbessern?

 

AbL: Wichtig ist vor allem, dass auch weiterhin der gesamte Erzeugungsprozess im Mittelpunkt steht. Sobald nur das Endprodukt eine Rolle spielt, wie der neue Vorschlag es vorsieht, werden sich die Bedingungen im Ökolandbau verschlechtern. Aufwendige Analysen sind für kleine und mittelständische Betriebe zu teuer und verstärken nur den auch im Ökolandbau existierenden Trend zur Industrialisierung.

 

Bürger AG: Die Nachfrage nach Bio-Produkten wächst und führt dazu, dass immer mehr solcher Produkte aus dem Ausland importiert werden. Wirklich nachhaltig ist dies nicht. Was müsste aus Sicht der AbL getan werden, um dem entgegenzuwirken und den Verbrauchern mehr regionale Ware anzubieten?


Abl:
Es ist sehr verständlich, dass immer mehr Menschen regionale Lebensmittel gegenüber importierten Biolebensmitteln bevorzugen. Die bäuerlichen, konventionell wirtschaftenden Betriebe, die zum Teil schon eine gute Direktvermarktung haben, sind auch potentielle Umstellungsbetriebe. Um das Angebot an regionalen Bio-Produkten zukünftig zu erhöhen ist es daher für die Zukunft wichtig, möglichst viele bäuerliche Betriebe zu erhalten.